ready for departure
Mein digitaler Flugplatz

Turning final...

Das heisst, langsam geht's an's fertig werden... Oh je.


09.09.21 - Rekon... Reknogo... Aufklärungsflug nach St. Gallen

Da wir heute den Flieger erst am späteren Nachmittag reserviert hatten und zudem noch Bauarbeiten auf der Piste in Mollis stattfinden (neue Markierungen damit die Business Aviation auf dem "neuen" Zivilflugplatz landen kann/darf/könnte/dürfte) blieb nicht mehr viel Luft für uns. Und da in den letzten Wochen und Monaten offenbar zu viel geflogen wurde, ist Landetraining auch nicht mehr gern gesehen in Mollis. Der Flugplatz unternimmt also grad alles, damit ich möglichst nicht oder wenig zum Fliegen komme (die Landegebühren wurden ja schon vor ein paar Monaten verdreifacht. Damit die Kasse bei allen wieder stimmt, soll man jetzt einfach nicht mehr so viel landen schätze ich.). Aber so richtig lange muss er mich ja theoretisch nicht mehr ertragen - wie das Kapitel schon sagt, drehe ich ein in den Endanflug meiner Ausbildung zum Privatpiloten. 

Für heute hatten wir uns dann entschieden, dass wir wieder mal St.Gallen-Altenrhein anschauen möchten. Der Platz steht aktuell hoch im Kurs für meinen 270 Km "Dreiecksflug". Dieser Flug ist der Prüfstein aller Piloten in spe, denn man ist erstmals länger alleine unterwegs und muss dabei auf zwei "fremden" Plätzen landen und 270 Kilometer Luftlinie geflogen sein. 200 Wartekreise über dem Walensee zählen also nicht.
St.Gallen war schon lange nicht mehr auf dem Programm, mit dem Breezer war ich eh noch nie da und beim letzten mal hatte Urs auch das Geschwafel mit dem Turm für mich übernommen. Heute wird er nicht mehr so zuvorkommend sein und von mir erwarten, dass ich alles alleine mache. Also steigen wir am späteren Nachmittag in Richtung Ricken auf, hangeln uns der Thur entlang nach Wil und zweigen dort ab auf die A1 nach St.Gallen. Dort stelle ich prompt die falsche Frequenz ein und funke meine Position in's Nirvana anstatt nach St.Gallen. Perfekt. Schon bin ich im A******. Denn ab da läuft's dann nicht mehr so richtig prächtig. Ich parliere zwar einigermassen passabel mit dem Tower (nachdem ich die richtige Frequenz eingestellt habe) und bestätige die Clearance in die CTR (fast) korrekt. Aber weil ich zu lange an den Funksprüchen herum hirne (und mich danach an deren Korrektheit erfreue) und dem Zeppelin auf der anderen Seeseite nachschaue, vergesse ich die Hälfte der Checks. So sind dann die Flaps beim Landeanflug noch nicht komplett draussen und die Propellerdrehzahl ist für den erfragten und genehmigten Touch&Go auch zu niedrig. 

Captain Chamäleon rettet den Tag!

Wieder im Downwind höre ich dem Tower zu wie er mit der People's Air auf dem Apron über deren baldigen Start verhandelt. Die People's Air ist wohl eine der kleinsten Fluggesellschaften der Welt - ihre Flotte besteht nämlich nur gerade aus der Laura. So heisst ihre Embraer 170, die täglich zwischen Wien und St.Gallen hin und her düst. Und Laura will nun offenbar los, am liebsten wohl genau dann, wenn ich ihr entgegenkomme. Das Risiko steigt, dass der Tower Laura's Charme eher erliegt als den holprigen Funksprüchen vom Bartli. Urs will das Risiko nicht eingehen und interveniert in meine eh schon fast nicht mehr präsente Planung indem er dem Tower anbietet, dass wir unseren Anflug auch verkürzen können um den Passagieren der People's Air sprichwörtlich entgegen zu kommen. Der Tower lässt sich auf den Deal ein und schon drehe ich nach rechts ab. Das klappt grundsätzlich gut, aber da nun noch weniger Zeit für meine Checks da ist, lasse ich sie grosszügigerweise und spontan komplett weg und handle nur noch auf Anweisung vom Meister. Voll überfordert und übertölpelt. Noch beim Ausrollen fange ich mich an zu ärgern. Den ganzen Scheiss habe ich gestern Abend noch geübt und bin den Anflug im Geiste durchgegangen. Für nichts. Oder für sehr wenig jedenfalls. Wir taxeln vor die Tankstelle und ich steige aus um der hübschen Madame im C-Office den fälligen Obolus zu entrichten. Ich kaufe ihr dann sogar noch einen Eistee und eine Cola ab, um meinen sicherlich erzürnten Meister zu beschwichtigen. 
Ich tschumple demütig zurück (Haha, nein. Ich feuere schon wieder Sprüche raus beim zurück laufen), aber Urs scheint mir wohlgesonnen. Er ist mit mir weniger kritisch als ich mit mir selbst, obwohl ich soviel verbockt habe in den letzten 15 Minuten. Vielleicht hat er aber einfach nur Angst, dass ich komplett einklappe, wenn er mich auch noch staucht. Schliesslich soll ich ihn ja noch zurück nach Mollis fliegen ;-) Hinter uns kommt noch ein anderer FLieger mit Fluglehrer und -schüler (sorry, Name vergessen) einer anderen Flugschule (sorry, Name vergessen) an und es entsteht ein lockerer Plausch. Ich kann mich in den fünf Minuten wieder ein bisschen sammeln und schon geht's wieder auf nach Hause. 

Die Anmeldung am Tower und die ganze Funkerei klappen gut. Mein Kopf hat wohl wieder einen Einstiegspunkt gefunden, an welchem er das Gelernte wie an einem Rosenkranz herunterbeten kann. Der Bodensee sieht schon schön aus im Abendlicht. Toll, wie lange man Sonne hat, wenn man nicht in den Bergen...oh verdammt! Ich muss ja zurück in die Berge. Und die haben einen brutal hohen Lichtschutzfaktor... Hat's in der Heimat überhaupt noch Licht?! Ein bisschen mulmig drehe ich uns über dem Bodensee nach Süden in Richtung Rheintal. Also die da unten müssen aktuell schon keine Sonnenbrille mehr tragen... Kurz kann ich aufatmen, denn die Sonne kehrt zurück. Aber halt auch nur, weil ich im Steigflug bin, um dann durch's Toggenburg zwischen Churfirsten und Säntis hindurch über den Strichboden nach Amden zu rutschen (toll, wenn man dank Google so tun kann wie wenn man die Steine und Wiesen da alle kennt, hä?). Zu hoch darf ich dann neben dem Säntis aber nicht sein - dort wird grad ein "Blitzableitlaser" getestet. Ja, ohne Witz. Die wollen mit Laser die Luft ionisieren und damit Blitze fangen - wie wenn man einen Kupferdraht in die Stratosphäre halten würde. Faszinierend, nicht wahr? Hier die ganze Story dazu: https://www.srf.ch/news/schweiz/blitze-baendigen-laserkanone-auf-dem-saentis-soll-zum-modernen-blitzableiter-werden

Auf jeden Fall ist ein Blitz-Anzieh-Experiment ein guter Grund für uns, auf Abstand zu bleiben. Auf dem Weg das Rheintal hinauf lerne ich die Grenzbereiche des Sichtflugs kennen. Der Himmel ist "diesig", Temperatur und Taupunkt nähern sich an und im Toggenburg hat's Staubewölkung. Ich weiss zwar, dass ich auf Felswände zufliege aber sehen kann ich sie nicht. Die Tiefenwahrnehmung ist komplett weg, dank der Sonne und dem Dunst. Mittels Chamäleonblick halte ich mit dem linken Auge die Strasse, die von Gams in's Toggenburg führt, fest und scanne mit dem rechten Auge was vor mir passiert. Urs und ich beraten uns und beide befürchten, dass der Plan nicht aufgehen könnte und der Übergang nach Amden schon dicht sein könnte. Mein linkes Auge hat dann aber irgendwann entschlossen, die Strasse ein wenig zu vernachlässigen und die schön orange eingefärbten Bergflanken zu bestaunen. Das ist nun die Rettung bzw. Plan B. Zwischen Gamserberg und Chäserrugg überqueren wir das felsige Hindernis und schon sind wir über dem Walensee. Sehen kann ich ihn wegen dem Gegenlicht der Sonne zwar noch nicht, aber GPS und Verstand sind sich einig: Da unten ist ein See.

 Zeit zum Absinken. Ein paar gekonnte Blicke über die Schulter um zu sehen "Ah, ja. Walenstadt." und um sicher zu stellen, dass mir keiner hinten rein donnert, der den gleichen Weg fliegt aber nicht mit einem Besucher von oben rechnet. Ein paar Minuten vergehen und als die Sonne dann hinter den Bergen verschwindet (jetzt kannst du selber googeln, es sind die paar grossen Steine westlich vom Walensee), wird mir wieder wohler. Zu Beginn überwiegt noch der "Verdammt, hier ist's ja noch dunkler..."-Eindruck, aber die Augen gewöhnen sich zügig wieder an die wohlige Finsternis der Heimat. Checks und Gefunke klappen wie aus dem Lehrbuch und die Landung hätte eine Messingplakette am Hangar verdient. Ich weiss nicht mal, ob das Flugzeug realisiert hat, dass es gelandet wurde. Bu-tter-weich. Zur Bestätigung gibt's ein "Ooooh..." von nebenan. Mein restlicher Plan von "Ich weiche all den frisch gemalten Markierungen aus" erhält dann aber nur ein ermahnendes "Marco...". Man kann nicht alles haben. Und so geht wieder ein lehrreicher Flug zu Ende. Mit Hochs und Tiefs, Sonne und Wolken, hübschen Frauen im C-Büro und geschlossenen Flugplatzbeizen und allem, was halt sonst noch so dazugehört zum Fliegerleben. Freud und Leid sind nah beisammen, zumindest im Moment noch. 



17.09.21 - Kühe auf der Piste

Und weiter geht's mit Erkundung neuer Plätze. Heute ist geplant, dass wir Langenthal und Buochs anschauen. Aber da das zeitlich eng wird, entscheiden wir auf dem Flug ob wir ggf. Buochs weg lassen und dafür ein bisschen Landetraining in Langenthal machen. Am Morgen ist das Wetter noch herbstlich, am Nachmittag kommt aber der Altweibersommer nochmals richtig zum Zug - wie gut, dass unser Flieger ab 1330 in Mollis auf uns wartet. Kurzes Vorbriefing, Prüfung meiner Karten und Flugpläne: Alles in Ordnung. Los geht's via Lachen in Richtung Affoltern am Albis dort muss genau auf die Höhe achten, denn über mir ist die Ein- und Ausflugschneise von Emmen. Theoretisch könnte ich den Tower fragen, ob ich hindurch fliegen darf. Aber da diese Schneise (TMA) erst ab einer bestimmten Höhe gilt, kann ich auch einfach unten durch. Das passt mir eh besser. Nicht mal unbedingt weil ich dann weniger palavern muss, sondern mehr, dass ich damit den Flugbetrieb in Emmen nicht unnötig erschwere. Vermutlich läuft dort eh nicht all zu viel, aber warum dem Tower Arbeit machen wenn's auch ohne geht? Urs findet, ich könnte jetzt - nebst der Navigation - auch mal noch den Autopilot ausprobieren. Und mich auf der "Zurich Information" Frequenz anmelden (das ist vereinfacht gesagt eine Flugwegverfolgung durch den Tower in Zürich. Man meldet sich dann an zuvor ausgemachten Punkten, damit der Tower weiss, dass man noch fliegt. Kostet nix, ist ein Plus an Sicherheit und vorallem in abgelegenen Gebieten sinnvoll.). Alles zusammen ist aber ein bisschen viel für den Bartli und als dann auch noch Gegenverkehr auf der gleichen Höhe (an die Halbkreisregel hält sich offenbar nicht jeder...) an uns vorbei zischt, entscheide ich mich gegen eine Kontaktaufnahme mit Zurich Information und dafür, mich mehr auf den Verkehr und die Navigation zu konzentrieren. 
Zusammen mit GPS und den Kursangaben auf meinem Flugplan klappt das recht gut und nach kurzer Zeit sind wir schon über dem VOR von Willisau. Hier mache ich den Erstaufruf für Langenthal, damit die wissen, dass ich komme. Ich fliege stur nach meinem geplanten Kurs und erwarte irgendwann mal einen Flugplatz zu sehen. Aber es kommt keiner. "Willst du nach Langenthal?" fragt Urs dann irgendwann. "Falls ja, hier rechts wär ein Flugplatz. Könnte der sein, oder?". Ich schaue nach rechts. Ich sehe Wälder, Wiesen, Dörfer - aber kein Flugplatz. Aber ich drehe trotzdem mal nach rechts, denn wenn Urs einen Platz sieht, wird's ja sicher einen haben. Dann schwafelt er was von Signalplatz auf meiner linken Seite und erst dann realisiere ich, dass der Platz direkt vor meiner Nase ist. Ich hab geschätzte 10Km weiter entfernt gesucht... Aber kein Problem, jetzt sehe ich ja alles und die wunderlichen Zeichen auf dem Signalplatz kann ich dank den Theorieordnern mittlerweile auch entziffern. Davon ausgehend, dass die ausgelegten Zeichen stimmen, entscheide ich mich für die Piste 05. Ich drehe also nach links und bin schon im Downwind. Dank Urs' iPad sehe ich unsere Position und die Voltengeographie. Wie in der Schweiz üblich, ist die Volte auch hier anspruchsvoller designt als wohl im Rest der Welt. Primär aus Gründen des Lärmschutzes, sekundär aber wohl auch wegen der traditionellen Flugabwehr hier: einem Hornusserplatz. Aber der kommt dann erst nach dem Touch&Go. Zuerst muss ich aber meinen Weg zwischen Bauernhöfen hindurch finden. "Über der Strasse links.", "Nicht über die Häuser.", "¨Über den Bauernhof" - so in etwa fliegt man von der Mitte Downwind auf die Piste 05 an. Sie ist zwar relativ kurz (525m), aber dafür 18 komfortable Meter breit. Wow. Dass ich 18m Breite mittlerweile komfortabel finde, hätte ich vor einem Jahr noch nicht gedacht... Mal schauen, ob ich mich irgendwann mit den 11m in Bad Ragaz auch noch anfreunden kann... Aber zurück zu meinem Anflug auf Piste 05: Irgendwie fühlt sich alles richtig an, die Checks sind immer am richtigen Ort passiert und schon setze ich auf. Kein Knall, kein Gemecker von nebenan und schon stosse ich den Schubhebel wieder rein für den Start.

Da ich mir keine "Nouss" einfangen will, befolge ich den verlangten Anflugweg möglichst genau - unter fachkundiger Anweisung von Urs. "Auf's Hornusserhäuschen zu.", "Rechts in Richtung Wald.", "Nicht über die Häuser.", "Links vor den Häusern vorbei", "Über den kleineren der zwei Tümpeln drüber.", "Das Hochhaus als Richtpunkt nehmen.", "nicht zu weit links" klingt's auf dieser Seite. Ein bisschen so wie bei den Rallyefahrern. Nur singt Urs nicht so enthusiastisch. Wir sehen zwei Bussarde oder sonst so ein Greifvogelpack vor uns. Sie kreisen, sind mal links von uns, mal rechts. Ich überlege zu lange, wo die zwei sein werden, wenn wir auf ihrer Position sind: Urs greift ein und zieht uns aus der Voltengeographie nach rechts raus. Und schon stimmt alles vorhin eingeprägte irgendwie nicht mehr, denn ich muss ja jetzt zuerst wieder auf die richtige "Spur" kommen. Aber nach zwei, drei Sekunden bin ich wieder auf dem Downwind der Piste 05. Auch die Landung klappt super, zumindest fühlt sie sich gut an und die Stille von nebenan werte ich als Zustimmung. Es folgt der dritte Anflug und die Frage von Urs, ob ich's dabei belassen wolle. Sicher nicht. Wenn's doch schon mal läuft... Also noch eine Umdrehung mehr und dann setze ich zur finalen Landung an. Wir taxeln raus zur Tankstelle, da wir mit dem Landetraining hier vielleicht die entscheidenden paar Liter zuviel verbrannt haben um sicher bzw. "regelkonform" nach Mollis zurück zu kommen. Regelkonform bedeutet in diesem Fall, dass noch mindestens Benzin für 45 Minuten im Tank sein müssen, wenn man gelandet ist. Mittlerweile haben wir uns auch entschieden, dass Buochs keine Option mehr ist für uns - Stress ist nie ein guter Partner für Schulungen.

Yeeehaw!

Wieder mal was neues, tanken ausserhalb der Homebase. Ist aber nicht gross anders als das Tanken mit einem Auto. EC-Karte rein, Säule wählen und Urs fängt an zu zapfen. 15 Liter sind angepeilt und wollen möglichst genau getroffen werden. Die Zapferehre steht auf dem Spiel. Bei 15,03 Liter wird entschieden, dass eh 16 Liter angepeilt sind. Diesmal klappt's und kurz darauf peilen  wir das "Flügerli" an. So heisst das Beizli am Pistenrand. Haha, dass mir der Spruch noch nie eingefallen ist. "Kafi am Pischterand". Haha. Okay, sorry, ich hör ja schon auf. Kafi gab's eh keinen, es war zu heiss. Das liegt nicht nur am sonnigen Wetter sondern auch am Flugzeug - ich fliege heute zum ersten mal mit Zulu Alpha. Das ist zwar auch ein Breezer, aber nur eine Leihgabe und ein bisschen anders ausgestattet. In dieser Flugzeug wird der Rücken mit einer pneumatischen Lordosenstütze verwöhnt. Dafür fehlen die kleinen Belüftungsfensterchen. Man kann nicht alles haben, entweder Rückenweh oder Hitzestau. Ein Rivella bzw. Mineral später machen wir uns auf den Weg in's C-Büro. Beim aufstehen informieren uns andere Gäste, dass eine Kuh auf der Piste stehe. Tatsächlich. Die ist aus der eingezäunten Wiese ausgebüxt und grast jetzt am Pistenrand. Wir schmunzeln und lassen die Eingeborenen Ihre Notfallmassnahmen einleiten (den Bauer anrufen und unorganisiert mit Hüten schwenkend und johlend über die Piste rennen). 

Über Emmen in Richtung Luzern

Im C-Büro trifft dann die alte auf die neue Welt. Die klassischen Landegebühren Couverts liegen auf, daneben ein Zettel mit einem QR-Code für die Twint Zahlung. Ein PC steht zwar auch da, aber auf den ersten Blick sieht's nicht danach aus als wäre hier irgendwas digital. Ich fange also an das Couvert zu beschriften und zahle die Landegebühren ein. Stolze 80.- wechseln den Besitzer und noch bevor ich das Couvert einwerfe, bemerkt Urs, dass auf dem PC doch eine elektronische Variante verfügbar wäre. Gut, machen wir die Arbeit halt nochmals. Nachdem alles ausgefüllt ist, verlangt das Onlineformular die Bezahlung via Twint. Habe ich ja aber schon gemacht... Zurückziehen kann ich die Zahlung nicht mehr. Also einfach wieder schliessen und ein Zettelchen in's Couvert mit der Info, dass ich bezahlt habe. Notfalls stehen ja meine Mailadresse und Telefonnummer noch auf dem Couvert, aber das sollte so eigentlich reichen. Falls ein Langenthaler mitliest: Sorry für den Mehraufwand...
Wir schlendern zurück zum Parkplatz und sehen, dass auf der Piste immer noch reger Betrieb ist. Mittlerweile ist die eine schwarze Kuh wieder im Pferch, aber dafür sind die anderen drei jetzt auf der Piste. Schlechter Tausch. Aber wir nutzen die Zeit für einen gemütlichen Outside Check und geniessen die Cowboy-Show. Nach 10, 15 Minuten sind alle Kühe wieder eingezäunt und das Volk verlässt die Piste wieder. Keinen Moment zu früh, denn schon ist ein Flugzeug im Downwind und ein anderes hat sich am Holdingpoint aufgestellt. Wir tun es ihm gleich und rollen zum Pistenanfang der Piste 05. Wir fliegen aus der Volte heraus und ich vermelde das verlassen der Frequenz. Ein anderer Pilot auf derselben Frequenz wünscht noch einen schönen Abend - ein passender Abschluss unseres Besuches. Alle Leute, die wir heute getroffen haben waren freundlich und "g'mögig". Den Platz merke ich mir vor und ich habe wieder ein paar Vorurteile über die Aargauer abgebaut. 

Rapperswil im Abendlicht

Auf dem Weg nach Buochs wird's dann wieder hektischer. Denn hier kreuze ich die (Nahbereich-)Kontrollzonen von Emmen, Buochs und evtl. sogar Alpnach. Hier um den Vierwaldstättersee herum wird alles genau kontrolliert - vermutlich zu recht. Hier ist neben einer der aktivsten nationalen Luftwaffenbasen (u.a. Homebase der Patrouille Suisse) auch das Werk von Pilatus. Also ist hier potentiell viel schnelles und teures Metall in der Luft. Aber es ist nach Büroschluss und entsprechend wenig ist los. Die Tower der Flugplätze sind geschlossen (erfahre ich aus der Infofrequenz) und Blindübermittlungen werden verlangt (erfahre ich ebenfalls aus der Infofrequenz und bin überrascht, dass ich das in den Theorieordnern nirgends gelernt habe). Aber wie dem auch sei, Blindübermittlungen kann ich. Dachte ich. Ein kleiner Formfehler schleicht sich dann doch noch ein, aber es steigt kein F/A-18 auf um mir den Bart zu stutzen. Das Date mit Shotty muss warten.
Über dem "Kreuztrichter", der Mitte vom Vierwaldstättersee (vermutlich so in etwa die Mitte einer gedachten Linie von Luzern zum Bürgenstock, aber dem gehe ich noch nach) bin ich dann wieder mal kurz orientierungslos. Ich könnte zwar in der Karte oder dem GPS spicken, aber stattdessen vertraue ich auf Primarschulwissen, Mutmassung und Behauptung. Entsprechend vermute ich dann Buochs auch irgendwo in Richtung Pilatus. Urs versucht mir dann zwar zu erklären, dass ich da einem Irrtum aufgesessen bin, aber in meinem Kopf ergibt weder meine Meinung noch seine Erklärung einen Sinn. Und decken tun sich beide erst recht nicht. Ich entscheide mich, der Sache einfach noch ein wenig Zeit zu geben. Das wird sich schon noch klären. Und siehe da, nach ein paar Minuten sind wir über Vitznau und schon läuft der (Geografie)laden wieder. 
Das Wetter wird mit fortschreitender Tageszeit herbstlicher und so kann dann auch mein Plan nicht mehr so richtig umgesetzt werden. Geplant hatte ich, dass wir östlich am kleinen Mythen vorbei in Richtung Einsiedeln fliegen. Aber die beiden Mythen sind in Wolken verhüllt und drum herum sieht's auch nicht viel besser aus. Der Plan ist also hinfällig. Aber hier gibt's ja Täler wie Sand am Meer und so geht's halt bei Schwyz in Richtung Rothenthurm. Hier kenne ich mich immerhin wieder ein wenig mehr aus, die Kirche von Rothenthurm ist dank der auffälligen Dachziegeln markant und aus einiger Entfernung gut erkennbar. Urs meint dann, dass man schon das Kloster von Einsiedeln sieht. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das eine Prüfung von ihm war um zu sehen, ob ich mir bewusst bin, dass ich nicht im "geplanten" Tal fliege aber ich stimme ihm einfach mal zu. Schliesslich weiss ich ja, wohin's geht. Nachdem wir über Einsiedeln hinweggeflogen sind, kommt die nächste Quizfrage: "Wie heisst der Hügel da vorne?". Ich verdrehe die Augen. Keine Ahnung wie der heisst. Einsiedler Mocken, Alpthaler Höger, whatever... Aber ich sehe Rappi dahinter, also ist's doch eigentlich auch voll egal. "Hirzel oder sowas..." gebe ich dann zu Protokoll, damit's weiter geht. Nah dran, richtig wäre "Etzel". Den sehe ich sogar vom Balkon zu Hause und kenn ihn trotzdem nicht. Von mir aus sollte alles, was mit Gras bedeckt und nicht von Steinböcken oder Bartgeiern bewohnt ist gar nicht speziell benannt werden. Würde vieles einfacher machen. Feusisberg liegt sogar grad daneben, warum nennt man die Erhebung dann nicht einfach auch "Feusisberg" und spart sich die Kosten für zwei unterschiedliche Beschilderungen? Da hatten die alten Eidgenossen einfach zu viel Zeit und die neuen haben Schiss vor der SVP um so was zu beantragen. 

Es wird Zeit für ein Approachbriefing, den Descent Check und auch den Approach Check stimme ich an. Klappt alles. Ich kenn zwar das Zeug unter mir nicht, aber die Mühle sicher und korrekt gecheckt auf den Boden bringen, das kann ich mittlerweile. Bereits sind wir über dem Biberlikopf (Ha! Den kenn ich!) und biegen in Richtung Kerenzerberg ein. Den nenne ich so, wie ihn die Eingeborenen nennen ("Chirezer") und ernte prompt den Spott vom Zürcher Geografielehrer nebenan. Aus Sicherheitsgründen (zwei, drei Gleitschirme auf dem geplanten Anflugweg) drehe ich direkt in den Downwind für die Piste 01 ohne über den Platz zu fliegen. Die Landung ist nicht mehr ganz so weich wie im Video oben, aber auch nicht so schlecht, dass Urs sich zu einem Kommentar genötigt sieht. Ich bin rundum zufrieden mit mir und der Welt.