ready for departure
Mein digitaler Flugplatz

Im April, Mai und Juni 24...

Schietwetter im Anflug...

Wie jedes Jahr steht der Jahreskontrollflug an. Ecoflight will wissen, ob ich immer noch "airworthy" bin. Zudem will auch der Bund im Zweijahresrhythmus  wissen, wie oft ich denn im letzten Jahr unterwegs war. Und natürlich will auch er nochmals unabhängig geprüft haben, ob ich noch airworthy bin und setzt auch nochmals einen Flug mit einem Fluglehrer voraus. Und als ob das noch nicht genug Kontrolle wäre, will ich gerne mal mit den neuen Fliegern der Ecoflight unterwegs sein, den Bristell B23. Und darf ich das einfach so? Nein. Ich brauche eine Einweisung. Von den drei genannten Unterweisungen bei einem Fluglehrer macht die letzte am meisten Spass - aber die anderen beiden müssen halt gemacht werden. Sicherheit und so. Und irgendwie müssen all die frühpensionierten Piloten bzw. Fluglehrer noch Ihre Pension aufbessern. Von einem gewissen Standpunkt aus gesehen also alles fair und richtig so.

Wie könnte es auch anders sein; Ich melde mich bei Urs mit all meinen Pendenzen. Er freut sich und wir machen ein paar Termine aus. Die ersten fallen sprichwörtlich in's Wasser. Dann bin ich mal noch in den Ferien. Dann fallen wieder Termine in's Wasser. Anfang Mai bekomme ich dann wirklich 15 Minuten Flugzeit in der Bristell. Nach 15 Minuten ist dann aber wegen dem Wasser von oben auch wieder Schluss. Der Flug war dann auch gleich ein Adrenalin-Flug, bei welchem ich froh war, dass einer mit Ahnung nebenan sass. Ich will gar nicht zu sehr in die Details gehen, aber wenn man in der Linthebene auf dem Nachhauseweg auf knapp 2500 Fuss die Autobahn fast nicht mehr sieht, dann auf dem Funk nur noch Rauschen zu hören ist dann geht einem schon mal die Düse. Ich hab's offensichtlich überlebt, denn ich schreibe hier ja den Bericht. Am Ende des Tages haben wir immerhin das meiste vom Papierkram (Anleitungen lesen, Zahlen auswendig lernen usw) erledigt, die "Airtime" haben wir noch nicht viel gehabt. Aber der erste Eindruck: Wow. Im Vergleich ist der Breezer wie ein Fiat Panda was die Beschleunigung angeht. Rein vom Platz für die Crew ist nicht viel passiert. Ist immer noch kein Wohnzimmer mit Flügeln, aber eine Spur geräumiger. Und "modischer" angezogen. Gepäck könnte man sogar auch noch ein bisschen was in den Flügeln verstauen. Alles in allem also schon ein Upgrade. Auch preislich, natürlich. Ich muss zwar schon nicht von Wasser und Brot leben, aber die dritte Büchse Kaviar lasse ich beim Champagnerfrühstück ab jetzt vielleicht weg. Item, wir machen natürlich weitere Termine ab - einer fällt in's Wasser, beim zweiten ziehen wir den Flieger immerhin vor den Hangar und lassen ihn dort sauber regnen. 

Es ist mittlerweile Ende Mai, und zum Geburtstag entzieht mir Ecoflight die Alleinflugerlaubnis. Merci, gäll. Urs hat zwei Wochen Ferien, aber das Wetter hat eh nur Regen im Programm. Lohnt sich also nicht, da auf einen anderen FI zu zu gehen. Damit sich mein Konto nicht zu sehr an das auf einmal nicht mehr in der Aviatik versickernde Geld gewöhnt kaufe ich mir eine Breitling. Damit wäre zumindest mal diese Baustelle im Griff. Nächster Versuch für einen Flug am Freitag 07.06. - Wetterbericht sagt Regen voraus. Verfi%&!!! Versc*%!/X!!! Gopfe%ç*"!!! AAAAAARRRRRRGGGGGGHHHHH!!!

Guess what? Freitag: Scheisswetter. Dienstag: Scheisswetter. Donnerstag: DER EINZIG GUTE TAG SEIT WOCHEN! Und alle Bristells/Bristellen/Bristellii reserviert. Mir reicht's. Mit Urs mache ich ab, dass ich den Jahreskontrollflug halt nochmals mit dem Breezer mache - von denen hat's immerhin noch einen freien im Hangar. 


13.06.24 Nach em Räge schint Sunne, nach em Briegge wird glacht...

Und wer hätte damit gerechnet - das Wetter hält was es verspricht. Sonne, paar Wölkchen und ein bisschen Wind. Alle Flieger stehen vor dem Hangar, sowohl bei der Ecoflight als auch bei der Motorfluggruppe. Ein kurzes Briefing mit Urs, was heute auf dem Programm steht (Notlandungen, Strömungsabriss, Motorausfall, normale Landungen, Langsamflug, ...). Halt all das, was man sonst eher nicht so macht, aber im Notfall gerne auswendig wüsste/könnte. Heute speziell; ein grosser Teil des Schweizer Luftraums ist gesperrt. Auf dem Bürgenstock hocken ein paar Politiker zusammen und meinen, sie können den Ukrainekrieg dort oben irgendwie beeinflussen. Was sie aber auf jeden Fall können: Mich beeinflussen. Aber man kann ja ausweichen. Zumindest wenn man kein Giftzwerg von der SVP ist

Der SVP zu liebe flogen wir dann nach dem Start nach rechts statt nach links in Richtung Walenstadt. Über dem Walensee starteten wir mit dem Langsamflug und einer S-Kurve. Der Herr neben mir hatte nichts anzumerken. Weiter geht's mit einem Strömungsabriss in Richtung Sargans, wo der Motor anscheinend anfing zu stottern und dann spontan den Geist aufgab. Jegliche Reanimatonsversuche schlugen fehl, bis nach Bad Ragaz wär's noch zu weit gewesen und so schickte ich mich an, den Vogel zwischen Mels und Flums in's Gemüse zu schiessen. Das geht recht gut von der Hand, auch hier hagelt es keine Kritik vom Tariergewicht neben mir. Zurück in Richtung Walensee, wieder mit Strömungsabriss. Heute ist scheinbar echt der Wurm drin... 

Auf Höhe Quinten vernehmen wir eine hochdeutsche Stimme am Funk, welche offenbar jemandem in einem schnellen und grossen Flieger gehört - denn er meldet, dass er im Downwind auf Runway 01 sei. Wir sehen ihn, aber er ist noch nicht mal so richtig im Kanton Glarus angekommen, sondern überfliegt gerade Bilten. Ein Segelflieger hängt sich hinten an ihn ran und wir entscheiden, dass wir denen jetzt erst mal ein bisschen Platz lassen. Ausserdem wollen wir dem Business Jet (eine Falcon 900) bei der Landung zuschauen, denn der entscheidet sich, dass er den Anflug für Flugzeuge unserer Grössen- und Geschwindigkeitsordnung machen will. Das werden enge Kurven. Er packt das perfekt und hatte dabei sicher einen Heidenspass. Wir wollen es ihm gleich tun und schreiten zu unserem letzten  in-air Programmpunkt: Landungen. Zwei ohne Motor und eine ohne Flaps. Die erste kommt zu kurz, die zweite zu lang (es reicht beide male aber auf die Piste) und die ohne Flaps kommt sogar recht gut - im Schnitt sind wir zufrieden. Im Debriefing besprechen wir alles nochmals und befinden beide, dass das alles eigentlich ziemlich gut war. Schönes Ding, zumindest aus Sicht von ecoflight darf ich wieder ein ganzes Jahr ihre Flieger fliegen. Wenn sie denn verfügbar sind. Und das Wetter mitspielt. Und ich im Büro fehlen kann. Jetzt muss ich noch ein paar Stunden reinquetschen, um auch das BAZL happy zu machen...