ready for departure
Mein digitaler Flugplatz

8 Einführung in den Instrumentenflug

Obwohl ich in meiner mittelfristigen Zukunft vermutlich nie bei so schlechtem Wetter oder so dunkler Nacht fliegen werde, dass der Blick aus dem Fenster nichts bringt, gibt's einen kleinen Exkurs in die Instrumentenfliegerei. Mehr so als Notfallbackup, wenn man sich mal irgendwie komplett verschätzen sollte und sich "plötzlich" in einer dichten Wolke wiederfindet. Lange dauert dieses Kapitel nicht, es sind gerade mal zwei Flüge geplant. Und in diesen zwei Flügen ist das Primary Flight Display (die Remos ist nämlich mit einem sogenannten Glascockpit ausgestattet) mein bester Freund. Andere, vor allem ältere Flieger, führen anstelle dieses Displays noch den "Uhrenladen". Zum Vergleich, unten die beiden Systeme - links ein Remos GX mit dem modernen Glascockpit und rechts eine Robin DR 400 mit den analogen Anzeigen. Angezeigt werden zwar bei beiden Varianten die gleichen Infos, nur die Darstellung ist jeweils anders.




13.11.19 Lektion 8.1

Weil das Herbst-/Winterwetter nicht wahnsinnig grosse Sprünge zulässt, üben wir heute nochmals ein paar Landungen in Mollis und über dem Walensee nach Instrumenten zu fliegen. Heute bin ich irgendwie in Hochform - k.a. warum, aber vom einsteigen weg passt alles Spitz auf Knopf. Die Mantras kommen immer am richtigen Punkt ("Taxi Area clear, Taxi Power Set, Taxi Light On, Brakes released") und auch beim Funken kommt alles irgendwie mehr aus einem Guss. Ich bin wieder mal ein bisschen stolz auf mich. Da leichter Südwind herrscht, geht's wieder über Piste 19 raus. Über dem Walensee bekomme ich dann temporär ein neues Accessoire - eine Brille, deren obere Hälfte aus "Milchglas" besteht. Beschreiben kann man das sehr schlecht, hier gibt's das Bild von so einer "IFR Goggle". Sinn und Zweck davon ist, dass ich meinen Blick nur noch auf die Instrumente richte und nicht mehr auf die schöne Szenerie um den Walensee herum. Dumm nur, dass ich links doch noch durch das Seitenfenster heraus spionieren kann. Dann der Geistesblitz; Ich hab ja einen Kapuzenpulli an - die Kapuze ist so gross, dass ich sie bis unter's Kinn ziehen kann. Also Verdeck hoch, und fertig ist die DIY-Dunkelkammer. Der Fluglehrer bekommt einen spontanen Lachkrampf und verlangt mein Handy für ein Foto. Und den Übernamen "Schmutzli" habe ich mit der schwarzen Kluft und dem Bart natürlich auch grad sofort. Aber hey, wenn's funktioniert ist es nicht dumm, oder?

Mit diesem sensorischen Reizentzug gurke ich dann nach Ansage vom Fluglehrer auf vordefinierten Kursen herum - wobei wir nach kurzer Zeit merken, dass der Kompass irgendwie einen Schuss hat. Sprich, der zeigt nicht das an, was ich fliege. Recht blöd, wenn man sich auf der Karte den Kurs 140° vornimmt, der Kompass auch 140° anzeigt, aber man dann in echt auf Kurs 170 oder so fliegt. Das endet grad über dem Walensee (wenn man nicht uhuren höch fliegt) schnell mal in einem Berg. Wir kriegen die Sache aber einigermassen in den Griff und halten uns vor den grossen grauen und recht harten Begrenzungen fern. Übung erfolgreich beendet, ich darf mir anhören, dass "die jungen heute" das einfacher lernen, weil sie das alles am Computer spielen. Ha! Ja! "Ist mein Hobby nützlich?" habe ich mich doch mal gefragt. Ihr Flugsimulatorspielenden Kellerkinder, ihr habt den erste Schritt in's Cockpit gemacht und seid genetisch überlegen! Gut, das ist vielleicht ein bisschen gar dick aufgetragen. Aber hey, es hilft offenbar wirklich!

Zurück nach LSMF, ich ballere 5 Landungen hin bzw. ich streiche sie genüsslich auf die Piste. Butterweich. Bis auf die eine, da habe ich ein bisschen beherzter aufgesetzt. So kalken die Bandscheiben nicht ein. Wird auch gleich kritisiert, aber ich hab's ja auch gemerkt. Auf jeden Fall waren sie aber so gut, dass der Fluglehrer mir zumutet nochmals drei Touch&Go alleine zu machen. Entweder das, oder er fürchtet sich so sehr, dass er weitere Landungen mit mir am Knüppel nicht mehr mit seiner Gesundheit vereinbaren kann. Ich setze einen Fünfliber auf ersteres und so rollen wir vor den Hangar, El Commandante steigt aus und der Schüler wird zum Meister. Zumindest mal für die nächsten drei Volten. Im Downwind gurkt noch Yankee Golf von einem Ausflug zurück und weil der Fluglehrer eh noch ein Handfunkgerät holen muss, warte ich ab. Zeit um in Gedanken nochmals alles durchzugehen und lässig einem Hündeler zu winken, weil der von mir erwartet, dass ich gleich losrolle. Noch kurz ein Selfie, das aber gleich wieder gelöscht wird - wie speziell ist es schon, alleine in einem Flugzeug am Boden zu sitzen? Eben. Dann der Moment der Wahrheit, Yankee Golf rollt von der Piste und ich zuckel los. Der Wind hat gedreht, also wieder Piste 01. Fast ein Jahr musste ich auf diesen Augenblick warten (meine ersten Solovolten waren am 15.11.18) und jetzt stehe bzw. sitze ich wieder alleine auf der Runway 01. Ein cooles Gefühl. Auflinieren, nochmals durchatmen - und noch rasch ein Föteli mit dem Handy schiessen - und Go! Landung 1 ist gut, Landung 2 auch und Landung 3 habe ich auch schon schlechter gezeigt. Alles in allem nicht schlecht, meint der Fluglehrer - und das heisst übersetzt "gut!". Ich freu mich. Debriefing bei Raphi im Aviatico - der hat Heizung und Bier, mehr brauche ich im Moment nicht zum glücklich sein. Und zu Hause wird von Papa frisches Tatar zum Znacht vorbereitet, der Tag wird also gegen Ende immer besser.



05.12.19 Lektion irgendwas

Aufgrund des Wetters picken wir seit ein paar Terminen immer wieder das heraus, was halt grad geht. Heute wäre eigentlich der Flug nach Samedan angestanden. In Samedan war dann auch wunderbares Wetter, keine Wolken, beinahe windstill bei -11° C. Aber der Nebel in Mollis hielt uns auf dem Boden. Er spielte sogar noch ein bisschen mit uns, indem er immer mal wieder ein Loch öffnete und uns Vorfreude verspüren liess. Nur um zwei Minuten später ebendieses Loch wieder zu schliessen. Und das von 09:00 bis 14:30 Uhr. Dann wurde es uns zu blöd und entsprechend brachen wir die Übung dann ab. Die Bilanz des Tages? Eine Schoggi Mélange, ein Nasi Goreng und zwei Kaffee bei Raphi und Karin im Aviatico. Und eine kurze Blödelei auf Video.






11.12.19 Lektion 8.2

Heute stand der Abschluss des IFR-Exkurses an und noch eine Stippvisite in Schänis, einem Flugplatz der eigentlich eher Segelflieger-Hood ist. Also nochmals Schmutzli spielen und Kapuze runter. Eigentlich richtig blöd, denn Frau Holle hat in den letzten Tagen Ihre Kissen ausgeschüttelt bis runter auf so ca. 1000m. Aber davon kriege ich nichts mit, denn ich konzentriere mich ja auf die digitalen Anzeigen auf dem Display. Damit ich aber dennoch ein bisschen mehr vom heutigen Tag habe als nur dieses langweilige Sicherheitszeug, welches mir irgendwann mal den Arsch retten könnte, habe ich die GoPro mitgenommen. Ja, richtig gelesen, GoPro. Nicht mehr der billige China-Knock-Off vom letzten Video. Der Black Friday Deal hatte mich überzeugt. Aber zurück zur Fliegerei - das Wetter reicht vermutlich grad noch, dass wir einige Kurven drehen können. Denn auf den späteren Nachmittag hat sich Toni - so wurde das Tief über Island getauft - angekündigt. Er bringt Südwestturbulenzen und Temperaturstürze mit sich. Nicht so gemütlich für unsere kleinen Fliegerchen und der Magen macht's auch nicht lange mit. Also, schnell raus und über dem Walensee vermumme ich mich dann in bester 1. Mai Manier um den ersten Vollkreis nur mit Instrumenten zu fliegen. Kein Problem, ich bin aus der PC Generation - Instrumentenflug liegt mir im Blut. Nach ein paar Halb- und Vollkreisen, wahlweise steigend oder sinkend haben wir dann genug. Fehler mache ich keine, was mir mein Tariergewicht nebenan ebenfalls attestiert. Also zurück über den Walensee und absinken auf 2000Fuss. Die Kommunikation übernimmt der Fluglehrer, denn um's ein bisschen tricky zu machen, palavern Segelflieger nicht englisch sondern deutsch. Und sie verwenden Meter anstatt Fuss. Noch vor einem Jahr hätte ich gesagt "Ja logisch - die machen sich das Leben nicht extra kompliziert..." Aber mittlerweile stellt sich bei mir eine gewisse Hochnäsigkeit ein gegenüber dem allemannisch-metrisch-antriebslos-gretafreundlichen Pöbel. Nein, quatsch. Seit dem Zigermeet 2019 und der Vorführung des Blanix-Teams, bin ich den Segelfliegern eigentlich durchaus wohlgesonnen. Kommt definitiv auf meine Wunschliste für die kommenden Jahre.

Heute ist jedoch kein Segelwetter und so melden sich dann auch nur zwei Modellflieger auf der Platzfrequenz. Sie räumen ihre teuren Spielsachen weg, damit wir unsere Landung hinpfeffern können. Zuerst auf die Runway 34, die ein wenig renovierungsbedürftig anmutet. Löchrig und mit einer Sprungschanze an ihrem Nordende. Und, wie offenbar die Mehrheit der Schweizer Plätze, recht kurz. Die Abenteuerlust ist geweckt, weggefegt die Panik wie beim ersten mal in Wangen-Lachen oder Bad Ragaz. Der Anflug kommt recht gut, mehrheitlich der Steuerung und den Anweisungen des Fluglehrers geschuldet. Go Around! Gut, jetzt ich! In der Base, also dem letzten Stück vor dem Eindrehen in den Endanflug will ich dann einschwenken aber der Fluglehrer lässt mich nicht. Ich vermute eine Übung à la "Hou...Ist das Querruder blockiert? Was machen wir denn da?", aber das funktioniert. Wir sind zwar  jetzt im Final aber die Piste 34 ist langsam verdammt weit links von mir. Direkt vor uns ist nur so eine popelige, schmale Taxiway... Nach zwei, drei Sekunden realisiere ich dann, dass es der Fluglehrer ernst meint. Das schnuckelige Wegelein soll unsere Landebahn sein. Bevor ich richtig realisiere was geschieht, setzen wir auch schon auf und der Fluglehrer fordert mit Nachdruck "Bremsen!". Ich war von der Situation so begeistert, dass ich schlichtweg nicht gebremst hatte. Aber das Muskelgedächtnis lässt die rechte Hand sofort an den Bremshebel schnellen und wir bremsen noch mit genügend Weg vor uns ab. Wir zuckeln über die Piste zurück, weichen den bereits angefrorenen Pfützen aus (damit uns die Bremsen nicht auf einmal noch einfrieren) und zirkeln an den beiden RC-Piloten vorbei um Yankee Golf eine Verschnaufpause zu gönnen.

Kurzes Debriefing, dass man im Normalfall schon auch die offizielle Piste verwenden soll (das Original ist im Video drin, unbedingt anschauen/anhören) und dem Modellflieger noch kurz zuschauen. Dann geht's raus in die garstige Kälte, zum neuen Gebäude der Fluggruppe Schänis. Ein tolles Gebäude, mit einer tollen Beiz und einer noch tolleren Terasse im Erdgeschoss. Nur im Moment noch nicht ganz fertig gebaut und entsprechend verwaist. Kein Beizer und im C-Büro ist auch niemand. Wir schauen kurz in jedes Büro, ob denn wirklich keiner hier ist, der meinen Landebatzen entgegennehmen könnte. Nein. Auch kein Briefkasten, keine Paymentstation. Wir einigen uns drauf, dass ich dann morgen anrufe und mir die Zahlungsmodalitäten erläutern lasse. Falls jetzt einer von Schänis mitliest: Habe ich imfall gemacht. Der Einzahlungsschein wird mir in den kommenden Tagen per Post zugestellt. Einzahlungsscheine kenne ich zwar seit einigen Jahren nur noch von kleinen Punkbands, die mir ein T-Shirt schicken. Aber hey, euer Büro ist noch im Bau, das wird eine Übergangsregelung sein. Keine Kritik an euch, ich komm dann vielleicht im Sommer/Herbst nochmals vorbei ;-) Eine Anmerkung noch an den, der da seinen ultracoolen Simulator im Büro aufgestellt hat, das nicht abgeschlossen ist: Mutig... Und ein grosses "Respekt!", wenn ich mal zuviel Platz und zuviel Geld habe, will ich auch so ein Ding. Ein Stuhl mit Servos, HOTAS und VR-Brille... Sogar der Fluglehrer, der dem ganzen Gaming sonst nicht viel abgewinnen kann findet das Ding toll. 

Wieder raus auf den vorsibirischen APRON (wer schon ein bisschen länger dabei ist bei meinem Blog weiss, dass das "der Platz wo die Flieger drauf stehen" heisst). Ein kurzer Schwatz mit Ruedi (der gerade den Bodendielen des Provisoriums mit einem Geissfuss zu Leibe rückt) und schon sind wir wieder in der noch angenehm warmen Yankee Golf. Gestartet wird diesmal aber auf der echten Piste und knapp vor der grossen Bodenwelle kriegt Yankee Golf den Hintern hoch. Phu... Im Climb um den Benkner Büchel herum kommt dann via Funk die Frage "Marco, bisches du?". Verdutzt schaue ich meinen Fluglehrer an. Der denkt sich wohl "Na also ich heisse nicht Marco, ich antworte sicher nicht". "Jaja, hier ist der Marco. Wer bist denn du?" "I*Statik*f..". Na die Kommunikation fängt ja gut an. Auf alle Fälle fragt der andere, ob ich mit dem Elektroflieger unterwegs sei und ich verneine. Kurze Stille. Dann eine Verabschiedung. Ich habe keine Ahnung wer das war... Einen Tag später schickt mir dann aber der Fluglehrer einen Link - der Chef einer Flugschule in Schänis, die mit Elektrofliegern schult, heisst auch Marco. Ein Zufall und eine Verwechslung. Der Rest des Fluges verläuft dann recht ereignislos. Wobei mein Anflug auf Mollis immer besser wird und ich das schon auch nochmals betonen will. Hat alles wunderbar gepasst. Nicht zu schnell im Downwind, kein Bühler'scher Base extend, keine Landung mit versuchter Körperverletzung - nahe am "Perfekt". Dummerweise ging der GoPro irgendwo über dem Kerenzerberg der Saft aus - darum musst du mir das jetzt einfach glauben ;-) À propos Video, du hier können kucken:




Fazit Kapitel 8

Das Kapitel hatte nur zwei Flüge - erwarte also bitte kein all zu grosses Fazit. Instrumentenflug ist cool, denn wenn du aus irgendwelchen Gründen auf einmal in einer Wolke bist, willst du ja möglichst zügig wieder raus. Also auf den Kompass linsen und den aktuellen Steuerkurs lesen. Sagen wir mal 235° - und jetzt kommt Zauberei! Rechne Minus 200 und Plus 20 (weil das im Kopf einfacher geht als Minus 180) und schwups, hast du den Kurs in die entgegengesetzte Richtung, also 055°. Nur zu, such dir auf Google ein Bild von einem Kompass und prüf's nach. Stimmt voll. Geht auch "umgekehrt", also z.b. bei 084°. Also dann Plus 200, Minus 20, das ergibt dann 264°. Famos, gell?

Und nebenbei lernte ich natürlich noch die Indicators für Speed, Höhe, Neigungswinkel usw. auch kennen. Braucht's auch, aber das lernt man irgendwie auch schon bei den anderen Lektionen quasi "on the fly". Oh, ein Wortspiel. Wenn ich schon bei Wortspielen angekommen bin, höre ich besser auf mit Schreiben...



Übrigens...
Wer nach den neuesten Berichten sucht, der soll in Kapitel 7 lesen - denn das ist noch nicht abgeschlossen. Wir folgen wetterbedingt nicht ganz genau dem vorgeschriebenen Programm ;-)